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Worauf wartet SkyDrive?

19. Oktober 2011 von J.M.

Microsoft könnte gerade wieder eine gute Chance verpassen - denn Dropbox und iCloud sind in aller Munde, SkyDrive nicht.

Heute unterhält sich alle Welt über Dropbox, und wie die schnell wachsende Firma ein Angebot von Steve Jobs ablehnte, der den Dateispeicher- und Freigabedienst „eine Funktion, kein Produkt“ nannte. Genau das.

Dropbox ist momentan öfter in den Schlagzeilen, genau wie iCloud, die „Funktion“, die Apple in iOS 5 eingebaut hat. Das US-amerikanische Wirtschaftsmagazin Forbes zeigt Dropbox und dessen Firmengründer Drew Houston diesen Monat auf der Titelseite. Mit 50 Millionen Benutzern - einem neuen pro Sekunde - und dem Zahlungsmodell (eine kostenlose Version mit zusätzlichem Speicher zu einem monatlichem Preis) sagte Houston Forbes, dass sich die Einnahmen selbst ohne irgendeinen neuen Benutzer im nächsten Jahr verdoppeln würden (von 240 Millionen US-Dollar dieses Jahr).

Forbes Nov 7, 2011 issue - Drew Houston

Die Geschichte von SkyDrive verlief dagegen bisher etwas frustrierend. Noch vor zwei Jahren, auf der Microsoft-Entwicklerkonferenz PDC 09, redete das Magazin LiveSide mit einigen Microsoft-Programmmanagern, die sich dagegen aussprachen, dass SkyDrive ähnlich wie Dropbox eine PC-Anwendung zum Speichern von Daten in der Cloud haben könnte. Damals schien es zu kostspielig zu sein, so viel Speicher bereitzustellen, wie ein Microsoft-Dienst benötigen würde, und das mit nur wenig Einnahmen im Gegenzug. Das stellte sich als kurzsichtig heraus. Nun sehen wir, wie sich Dropbox und iCloud den Markt sichern, der für SkyDrive geeignet wäre.

SkyDrive sollte auf jedem Gerät verfügbar sein. Vielleicht verhilft die Einbindung von Skype in Microsoft zum Umdenken, hin zu einem plattformübergreifenden Modell. Es sollte einfach und schnell gehen, Dateien von irgendwoher in die Cloud hochzuladen, und von überall auf sie zuzugreifen. Synchronisierung, mit Windows Live Mesh, sollte eine zentrale Rolle spielen, durch die alles noch einfacher wird. Es sollte keine Begrenzungen geben bei dem, was man speichern kann (das Freigeben ist wegen Copyright-Schwierigkeiten schon ein anderes Thema), mit einem kostengünstigen Dienst, der möglichst Dropbox und iCloud unterbietet.


Wir erinnern uns: Microsoft hat kürzlich Live Connect eingeführt, mit dem Drittanbieter-Programme auf SkyDrive zugreifen können, doch das ist nicht das gleiche. Ich will nicht meinen eigenen Client entwickeln müssen, oder einen Dritten zwischen mir und der SkyDrive-Wolke. Ich will einfach nur einen passenden Dienst nutzen - ohne Ecken und Kanten.

Microsoft besitzt keinen verlockenden Dienst für Endkunden. Klar - es gibt Hotmail. Es wird auch hart daran gearbeitet, dort alles klar und übersichtlich aufzuräumen. Und ja, da ist noch Messenger, der gerade wegen Skype einen Schluckauf hat. Dann gibt es noch Windows Phone, doch scheinbar wird es für absehbare Zeit bloß eine Nebenrolle spielen. Office 365 richtet sich an kleine Unternehmen. Windows Live dümpelt vor sich hin: seit fast zwei Jahren gab es keine nennenswerten Aktualisierungen. Skype ist wohl das, was einem reizenden Kundenprodukt aktuell am nächsten kommt, doch der Ankauf ist erst seit wenigen Tagen unter Dach und Fach. Es könnte eine lange Weile dauern, bis man Skype und Microsoft für identisch hält.

SkyDrive ist die große Chance für Microsoft - vielleicht die letzte, um Endkunden an sich zu binden. Zusammen mit Windows Live Mesh hat SkyDrive alle Einzelteile, die Konkurrenz abzuhängen, doch Microsoft arbeitet momentan nur mit einem Fuß auf der Bremse an Produkten für Endkunden.

Der Markt will, und braucht, eine klare und deutliche Ansage, was SkyDrive zu bieten hat. Ansonsten wird Microsoft sich darin wiederfinden, hinter Dropbox und iCloud herzujagen, sogar hinter GDrive, genauso wie Microsoft hinter iPhone, Android, Facebook, Twitter, Google+, dem iPad und Google Mail herjagt.

Dies bezieht sich eben gerade nicht auf den Zeitpunkt, an dem Microsoft „bereit ist, etwas bekanntzugeben“ - der Markt muss jetzt etwas hören, sonst ist es bald zu spät. Wieder einmal.

Kategorie: Nicht kategorisiert
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